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Neue Synagoge Theodor Fontane schwärmte vom Besuch dieses Gebäudes

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Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin ist eine der bedeutendsten Synagogen in Deutschland. Im Jahr 1866 wurde der Neubau des Gotteshaus unter dem preußischen Ministerpräsident Otto von Bismarck feierlich eröffnet.

Neubau der Hauptsynagoge

Haupteingang an der Oranienburger Straße
Haupteingang an der Oranienburger Straße

Eine jüdische Gemeinde bestand in Berlin schon seit dem Mittelalter. Jedoch wuchs die Gemeinde im 19. Jahrhundert auf über 28.000 Mitglieder an. Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts sollte diese Zahl bereits auf 175.000 Menschen anwachsen. Das alte Gotteshaus in der Heidereutergasse, nahe des Hackeschen Marktes, bot nicht mehr ausreichend Platz. Infolgedessen entschied man sich für den Neubau einer Hauptsynagoge. Die Neue Synagoge entstand in der Spandauer Vorstadt, dem traditionelle Wohngebiet der jüdischen Bevölkerung an der Oranienburger Straße. Bereits 1866 konnte der Neubau feierlich eröffnet werden. Unter den Gästen befand sich auch der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck. Die ursprünglich geplanten Baukosten beliefen sich auf 125.000 Taler, erhöhten sich letztlich jedoch auf 750.000 Taler.

 

   

 

Der Berliner Architekt Knoblauch

Mit dem Neubau wurde der Berliner Architekt Knoblauch beauftragt, nachdem die bisher eingegangenen Pläne bei der Ausschreibung nicht den gewünschten Anklang fanden. Carl Heinrich Eduard Knoblauch wurde 1801 in Berlin geboren und war Mitbegründer des Architektenvereins zu Berlin von 1824. Er studierte an der renommierten Berliner Bauakademie und legte 1828 seine Baumeisterprüfung erfolgreich ab. Zusammen mit seinem Freund, dem preußischen Baumeister Friedrich August Stüler, reiste er auch zu Studienzwecken durch Europa. Die Eröffnung der Hauptsynagoge erlebte Knoblauch jedoch nicht. Er verstarb nach langer Krankheit 1865 in Berlin. Die Bauleitung des Bauwerks übernahm August Stüler.

Die Neue Synagoge vereint mehrere Baustile zu einem harmonischen Ganzen

Ehemaliger Haupteingang von innen
Ehemaliger Haupteingang von innen

Das Gotteshaus ist nicht einem einzelnen Baustil zuzuordnen. Es finden sich orientalische Formen und Elemente die an die spanische Alhambra im maurischen Stil erinnern. Der Haupteingang mit drei Arkaden-Bögen, befindet sich an der Oranienburger Straße. Darüber steht der hebräische Satz in goldenen Buchstaben: “Pitchu schearim wejawo goi zadik schomer emunim” (Tuet auf die Pforten, dass einziehe ein gerechtes Volk, das bewahret die Treue). Er wird seitlich von zwei kleineren Türmen mit Kuppeln flankiert. Dazwischen liegt, etwas versetzt die zwölfeckige Hauptkuppel, die von einem goldenen Netz umspannt wird. Ferner befindet sich unter der Schwedler-Kuppel auch die Vorhalle. Die goldene Kuppel geht auf den Berliner Architekten Johann Wilhelm Schwedler (1823-1894) zurück.

   

“Pitchu schearim wejawo goi zadik schomer emunim” (Tuet auf die Pforten, dass einziehe ein gerechtes Volk, das bewahret die Treue) Schriftzug über dem Eingang

 

Daten zur Neuen Synagoge Berlin:

  • Fertigstellung: 1866
  • Bauzeit: 1859 bis 1866
  • Architekten: Architekt Knoblauch und August Stüler
  • Architekt der Kuppel: Johann Wilhelm Schwedler
  • Zerstört: 1943 durch RAF Luftangriffe
  • Eröffnung des Centrum Judaicum: 1988-91
  • Haupthalle: Dreischiffige Basilika
  • Ehemalige Anzahl der Sitzplätze: 3.200
  • Anzahl der Mitgliedern der Gemeinde 1860: 28.000
  • Anzahl der Mitgliedern der Gemeinde 1920: 175.000
  • Stilelemente: Orientalisierende Architektur
  • Geplante Baukosten: 125.000 Taler
  • Tatsächliche Baukosten: 750.000 Taler
  • Höhe der Kuppel: 50,21 Meter
  • Breite an der Straße: 29 Meter
  • Breite des ehemaligen Gebäudes: 40 Meter
  • Länge des Grundstücks: 97 Meter
  • Länge des ehemaligen Gebäudes: 45 Meter
Neue Synagoge vom Berliner Dom gesehen
Neue Synagoge vom Berliner Dom gesehen

Hauptkuppel von Johann Wilhelm Schwedler

Entwurf der Synagoge
Entwurf der Synagoge

Aus leichten Profilen entwarf Schwedler ein Tragwerk, welches später Modell für viele weitere Kuppelbauten stand. Dabei handelt es sich um gitterartig angeordnete Eisenrippen, die per Nieten zusammengehalten wurden. Über dem Gitter wurden eine Holzschale sowie eine Zinkblech-Verkleidung gefügt. Die Haupthalle befand sich erst 40 Meter hinter dem Haupteingang. Knoblauch hatte diesen Raum als dreischiffige Basilika mit einer an drei Seiten umlaufenden Empore (höhere Sitzreihe) geplant.

Die Innenräume waren prächtig gestaltet, teils mit Säulen versehen und durchflutet vom farbigem Licht der Fenster. Ebenso entsprach die Einrichtung dem Stand der Technik und verfügte schon über ein geschlossenes Strom- und Heizungssystem. Selbst der Schriftsteller Theodor Fontane schwärmte später von seinem Besuch des Gebäudes.

November Pogrome

Während der November-Progrome 1938 wurde von Mitgliedern der Nationalsozialistischen SA, Feuer in der Neuen Synagoge gelegt. Doch dem mutigen Eingreifen des Polizisten Wilhelm Krützfeld war es zu verdanken, dass der Brand von der Berliner Feuerwehr gelöscht werden konnte. Er trat den Brandstiftern mutig entgegen und verwies zudem auf den Denkmalschutz des Gebäudes. Im Jahr 1943 wurde das Gotteshaus jedoch Opfer britischer Luftangriffe.

Nach dem Krieg diente die Bauruine tragischerweise sogar als Lieferant für Baumaterial. In der Folge ließ man den hinteren Baukörper mit der großen Gebetshalle 1958 vollständig abgetragen. Als fadenscheinige Begründung nannte man die drohende Einsturzgefahr und einen nicht möglichen Wiederaufbau.    

Das neue Centrum Judaicum

Buchtipp: Das Duell des Herrn Silberstein
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Vor und nach der Wiedereröffnung
Vor und nach der Wiedereröffnung

Kurz vor der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung fand 1988 der symbolische Wiederaufbau der Neuen Synagoge statt. Hierzu wurde eigens die Stiftung “Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum” gegründet. Ebenso wurde die jüdische Gemeinde von Berlin erneut als Vorkriegseigentümerin eingesetzt. Bereits zwei Jahre darauf konnte an der Oranienburger Straße Richtfest gefeiert werden. Seit 1991 leuchtet der goldene Davidstern (Magen David) wieder auf der rekonstruierten Kuppel dieses schönen Gebäudes und bereichert seitdem das Stadtbild Berlins. Vier Jahre später wurde der Eingangsbereich der Synagoge mit einer kleinen Ausstellung wieder Besuchern zugänglich gemacht. Die Neue Synagoge und das Centrum Judaicum, mit wechselnden Ausstellungen, können heute wieder besucht werden.

 

Eindrücke aus der Ausstellung:

Weiterführende Informationen zum 1.700 jährigen jüdisch-deutschen Zusammenleben in der sehenswerten Dauerausstellung des Jüdischen Museum in Berlin.  

Hier befindet sich die Neue Synagoge Berlin auf der Karte:

   

Christoph Janß

Hallo, ich bin Christoph Janß, Blogger und Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg. Ich habe ein Faible für Geschichte, Architektur sowie Naturaufnahmen. In meiner Werbeagentur Alster-Marketing.com helfe ich Kunden beim Online-Marketing sowie der Erstellung von Websites & Online-Shops.

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