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Das Haus der Wannseekonferenz Gedenk- und Bildungsstätte

Das Haus der Wannseekonferenz ist eine Gedenk- und Bildungsstätte. Hier fand am 20. Januar 1942 in der Villa Marlier am Großen Wannsee in Berlin die Wannseekonferenz statt. Unter Teilnahme hochrangiger Vertreter der Reichsregierung sowie der SS, wurde über die planmäßige Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas (Holocaust) in den Osten beraten.

Das Wort Holocaust entstammt dem altgriechischen Wort „holókaustos“ für „vollständig verbrannt“. In Israel wird hierfür hingegen der Begriff „Shoah“ für „die Katastrophe“ verwendet.

 

   

Die Villa in der Colonie Alsen

Friedrich Minoux
Friedrich Minoux

Zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Große Wannsee zu einem beliebten Wohnort für wohlhabende Berliner. Industrielle, Bankier und Künstler ließen sich an dessen Ufer von namenhaften Architekten Villen und Sommerhäuser errichten. Auch der Fabrikant Ernst Marlier ließ sich in der „Colonie Alsen“ 1914 von Paul O. A. Baumgarten eine Villa nach italienischen Vorbild errichtet. Hierzu erwarb er zuvor ein 30.578 Quadratmeter großes Grundstück von der preußischen Regierung. Doch bereits sieben Jahre später veräußert er das neue Haus an Friedrich Minoux. Minoux war Generaldirektor des Hugo-Stinnes Konzern und Anti-Demokrat. Nach einem Prozess wegen mehrfacher Bilanzfälschung kam er im Jahr 1941 ins Gefängnis. Noch aus der Vollzugsanstalt verkaufte er die „Villa Marlier“ am Wannsee an die „SS-Stiftung Nordhav“ des Reichssicherheitshauptmann und SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich.

Die Wannseekonferenz

Huber, Nebe, Himmler, Heydrich und Müller
Huber, Nebe, Himmler, Heydrich und Müller

Im Jahr 1941 beauftragte Reichsmarschall Hermann Göring Reinhard Heydrich mit einem Plan zur finalen „Endlösung der Judenfrage“. Zu diesem Zeitpunkt war die systematische Ermordung der Juden in Europa zwar bereits beschlossen Sache, allerdings noch „Geheime Reichssache“ gewesen.

Denn mit dem Einmarsch der Wehrmacht in der Sowjetunion, ein halbes Jahr zuvor, war der Völkermord an den dort lebenden Juden bereits im vollen Gange. Mobile Einsatztruppen der SS machten hinter der Front Jagd auf Juden. In ihrem Wahn trieben diese Verbrecher Tag für Tag Menschen zusammen und erschossen sie und verscharrte sie in Massengräbern.

   

Auf der Wannseekonferenz wurde über die planmäßige Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas in den Osten beraten.

Der genaue Plan zur systematischen Tötung wird genau festgehalten

Wie genau die Umsetzung für dieses Verbrechen jedoch systematisch geplant und durchgeführt werden sollte, war noch unklar. Ein genauer Plan für die Deportation der europäischen Juden gen Osten und deren Genozid sollte bei einem Treffen am Wannsee ausgearbeitet werden. Hierzu lud Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) und SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich am 20. Januar in das Gästehaus der Villa Marlier ein. Es kamen hochrangige Vertreter der Reichsregierung, der Ministerien sowie der Schutzstaffel (SS). Die genaue Tötungsabsicht der damals höchsten Vertreter des Deutschen Reichs wurde nach dem 90-minütigenden genau notiert.

Der Weg zur Bildungseinrichtung

Dauerausstellung
Dauerausstellung

In der Folge machte die SS aus dem Haus am Wannsee ein Erholungsheim für Angehörige ihrer Organisation. Doch bereits 1943 ging die Villa für 1,95 Millionen Reichsmark an die Polizeiverwaltung des Deutschen Reich über. Nach dem 2.

Buchtipp: Die Wannseekonferenz
Buchtipp: Die Wannseekonferenz

Weltkrieg übernahm das Grundstück 1946 der Magistrat von Groß-Berlin, der es an die SPD vermietete. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands eröffnete daraufhin hier die Bildungseinrichtung des August-Bebel-Institut.

Nachdem in der Villa von 1952 bis 1988 ein Schullandheim untergebracht war, rief Eberhard Diepgen eine neue Idee ins Leben. Der damalige Bürgermeister von Berlin sprach sich für eine Gedenk- und Bildungseinrichtung aus, die an die Wannsee-Konferenz erinnern sollte. Am 19. Januar 1992 wurde das „Haus der Wannsee-Konferenz“ eröffnet. Träger des Hauses wurde der Verein „Erinnern für die Zukunft – Trägerverein des Hauses der Wannsee-Konferenz e.V.„.

Das Nationalsozialistische Regime wollte alle 11 Millionen europäische Juden ermorden. Am Ende des 2. Weltkrieg sollten 5,6 – 6,3 Millionen von ihnen ihr Leben verloren haben.

 

Viele Millionen Menschen starben in Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslagern

Zunächst planten die Nationalsozialisten den systematischen Völkermord (Holocaust). Insbesondere Menschen mit jüdischen Glauben wurden verfolgt und umgebracht. Im Laufe des Krieges wurden jedoch immer mehr Menschen in Konzentrations- und Arbeitslager verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Dort mussten sie unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Ein Großteil starb an Krankheiten, Unterernährung und Entkräftung. Auch viele Rüstungsbetriebe unterhielten Außenlager nahe der KZ und waren auf „billige“ Arbeitskräfte sowie Kriegsgefangene angewiesen. In der Zeit zwischen 1936 und 1945 soll es 24 Hauptlager und 1.000 Außenlager gegeben haben. Hier siehst du das Konzentrationslager Neuengamme in Hamburg sowie das KZ Mittelbau Dora im Harz bei Nordhausen.

Aufgaben des Trägerverein Hauses der Wannsee-Konferenz e.V.:

  • Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Politik des Völkermordes,
  • Information über die nationalsozialistischen Verbrechen,
  • Erziehung zur Demokratie und zur Verteidigung der Menschenrechte.

Ganze 90 Minuten dauerte die Konferenz, dann wurde der Plan zum Völkermord zu Papier gebracht.

 

Hier befindet sich das Haus der Wannseekonferenz in Berlin:

Die Ausstellung

Gedenktafel am Haus der Wannseekonferenz
Gedenktafel am Haus der Wannseekonferenz

In der Dauerausstellung „Besprechung am Wannsee und der Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden“
wirst du als Besucher über die Ausgrenzung, Definition, Deportation und den Massenmord aufgeklärt. Zunächst erfährt man jedoch, worum es sich beim Antisemitismus handelt, wie er sich bereits vor dem Nationalsozialismus entwickelte und das er auch heute noch weit verbreitet ist. In den weiteren Räumen erfährst du, was Menschen jüdischen Glaubens zu dieser Zeit erlebt haben. Ferner wird darüber aufgeklärt, was aus den Teilnehmern der Konferenz nach 1945 geschah und wie die deutsche Bevölkerung später über das Handeln im Nationalsozialismus dachte.

Quelle
GhwkBpb

Christoph Janß

Hallo, ich bin Christoph Janß, Blogger und Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg. Ich habe ein Faible für Geschichte, Architektur sowie Naturaufnahmen. Als Freelancer unter Alster-Marketing.com helfe ich Kunden bei ihrem Online-Marketing.

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