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Jüdisches Museum Zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte

Das Jüdische Museum in Berlin Kreuzberg bietet einen Überblick über 1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte. Es stellt alle Höhen und Tiefen dieser wechselseitigen Beziehung dar und bring dem Besucher zudem die jüdische Kultur näher. Mit über 2.000 Menschen pro Tag, ist es eines der am meisten besichtigten Museen in Berlin.

Jüdisches Museum Berlin
Jüdisches Museum Berlin

Die Idee zur Neugründung des Jüdischen Museums

Früher befand sich das Jüdische Museum links neben der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße 31. Das Museum wurde 1933, sechs Tage vor der Machergreifung des NS-Regiems, eröffnet. Bereits fünf Jahre später ließ es die Geheime Staatspolizei wieder schließen. Teile des Inventars befinden sich heute im Skirball Cultural Center in Los Angeles und im Israel-Museum in Jerusalem. 1971 entstand bei der Feier zum 300. Jahrestag der Jüdischen Gemeinde in Berlin, die Idee zur Neugründung des Jüdischen Museums.

Der Altbau: Das ehemaliges Kollegienhaus

Der ältere Teil des Gebäude-Ensembles befindet sich im ehemaligen preußischen Kammergericht. Das letzte erhalten Barockpalais in der historischen Friedrichstadt wurde 1735 nach einem Entwurf von Philip Gerlach errichtet und beinhaltete ab 1913 die oberste Verwaltungsbehörde der evangelischen Kirche (Konsistorium). Nachdem es 1969 wieder aufgebaut wurde befand sich hier das stadtgeschichtliche Berlin Museum. Dreißig Jahre später übergab die Stiftung Stadtmuseum Berlin das Gebäude dem neuen Jüdischen Museum. Nachdem der neue Anbau von Liebeskind fertig gestellt wurde, erhielt auch das Kollegienhaus eine Erweiterung. Der Glashof wurde nach dem Liebeskind-Entwurf „Sukkah“ (hebräisch „Laubhütte“, in Anlehnung an das jüdische Erntedankfest „Sukkot“) erstellt und ist ein 670 m² große Glasdach, das den u-förmigen Innenhof des Altbaus überspannt. Im Altbau befinden sich heute die Kasse, Garderobe, Information, der Museumshop als auch das Café Schmus.

Glashof
Glashof

Der Liebeskind-Neubau

Liebeskind Bau bei Nacht
Liebeskind Bau bei Nacht

Für den Wettbewerb zur Erweiterung des Berlin Museum Abteilung Jüdisches Museum gab auch der Architekt Daniel Liebeskind einen Entwurf ab. Er nannte ihn „Between the Lines“ (Zwischen den Linien). 1989 erhielt Liebeskind tatsächlich den Zuschlag von der Jury. 1992 konnte der Neubau mit seiner markanten Titan-Zink-Fassade, fertig gestellt werden. Von oben betrachtet, sieht das Gebäude aus wie eine Zick-Zack-Linie. Inspiration für den Entwurf fand Liebeskind in Berliner Persönlichkeiten wie Paul Celan, Max Liebermann und Heinrich von Kleist.

Eck Ansicht
Eck Ansicht

Weitere Anregungen bezog der Architekt in der unvollendeten Oper „Moses und Aron“ des Komponisten Arnold Schönberg, dem Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Judenverfolgung und Walter Benjamins Essays „Einbahnstraße“.

Im Inneren des Liebeskind-Bau

Der Besucher betritt durch den Altbau das Untergeschoss des neuen Liebeskind-Baus. Hier kreuzen sich drei, schiefe, sich kreuzende Achsen, die für die Entwicklung jüdischer Lebensgeschichten in Deutschland stehen. So der Achse der Kontinuität, der Achse des Exils und der Achse des Holocaust. Die Achse der Kontinuität führt direkt in die höher gelegen Dauer- und Sonderausstellung des Gebäudes. Auf Etage eins und zwei erstreckt sich hier die Ausstellung „Zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte“. Einer überaus sehenswerten und informativen Ausstellung vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Darunter viele berühmte Persönlichkeiten wie Emil Rathenau, dem Gründer AEG in Berlin Köpenick.

Darüber werden wechselnde Ausstellungen gezeigt. Von der Achse des Exils gelangt der Besucher aus dem Gebäude in den Garten des Exils, einem von Betonmauern eingebetteten Garten mit einer Ölweide, als Symbol für Frieden und Hoffnung. Der Garten verweist auf die Haltlosigkeit und Desorientierung als Emigrant nach der Vertreibung aus Deutschland.

Die drei Achsen im Neubau

Die Achse des Holocaust endet hingegen im Holocaust-Turm, einem dunklen, kalten und beklemmenden Gedenkraum, in den nur über eine schmale Spalte in der hohen Decke etwas Tageslicht einfällt. Am Kreuzungspunkt der drei Achsen befand sich bis Ende März 2017 das Rafael Roth Learning Center.

An mehreren Stellen wird der Neubau von vertikalen Schächten „Voids“ durchzogen. Der Neubau der Akademie entstand im Jahr 2012 in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle von 1922. Sie beherbergt einen Veranstaltungssaal, das Archiv sowie eine Bibliothek und ist ein Ort der Forschung und Diskussion. Der anliegende Garten des Jüdischen Museum ist ein Werk der Landschaftsarchitekten Hans Kollhoff und Arthur Ovaska.

Michael Blumenthal Akademie
Michael Blumenthal Akademie

Der Architekt Daniel Liebeskind

Liebeskind wurde 1946 in Łódź in Polen geboren. 1957 emigrierten seine Eltern nach Israel. Er selber wohnt seit 1960 in den USA und hält die amerikanische Staatsbürgerschaft. Zum Studium der Architektur verschlug es den passionierten Akkordeonspieler an die Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York City und die Universität von Essex. 1989 gründete er das Architekturstudio Studio Daniel Liebeskind in Berlin. Vier Jahre später gewann er die Ausschreibung zum Neubau des World Trade Centers. Liebeskind wurde bekannt durch Gebäude wie das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden, das Denver Art Museum oder das Imperial War Museum in Manchester. Er hält einen Ehrendoktortitel der Humboldt Universität in Berlin und gibt Vorlesungen an verschiedenen Hochschulen wie der Leuphana Uni in Lüneburg.

Website des Jüdischen Museums

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Chris

Chris ist Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg mit einem Faible für architektonische Tag- und Nachtaufnahmen, Geschichte und Berlin.

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