Avus Die Formel 1 der 30iger Jahre

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Die Avus war eine Rennstrecke in Berlin der Zwanziger Jahre. Der Bau und die Rennen hatte den Erfolg des Deutschen Rennsports maßgeblich beeinflusst. Ruhmreiche Namen wie die von Rudolf Caracciola (Mercedes) und Bernd Rosemeyer (Auto-Union) in ihren Silberpfeilen werden für immer mit der Avus verbunden bleiben.

Rennen auf der Avus 1936 - Bundesarchiv, B 145 Bild-P016402 CC-BY-SA 3.0
Rennen auf der Avus 1936 – Bundesarchiv, B 145 Bild-P016402 CC-BY-SA 3.0

Deutschland hinkt im Motorsport hinterher

Dieser Ansicht waren zumindest die reichen Autoenthusiasten des Kaiserlichen Automobil-Clubs am Leipziger Platz 16. Deutschland müsse unbedingt im Motorsport im internationalen Vergleich mit anderen Ländern gleichziehen. Daraufhin gründeten Sie am 23. Januar 1909 die Automobil-Verkehrs-und-Übungsstraße GmbH mit dem Ziel eine Rennstrecke nur für Rennautos in Berlin zu bauen. Eine freie Fläche war zwischen Charlottenburg und Nikolasee schnell ausgemacht. Im Jahr 1913 begann die neue Gesellschaft als nun AG mit dem Bau der neuen Piste. Im folgenden 1. Weltkrieg und den Nachkriegswirren, kam es zum jedoch schnell wieder zum Baustopp.

Ein Industrieller bringt die Wende

Avus Plan
Avus Plan

Mit Hugo Stinnes, einem deutsche Industriellen, der einen Montan-, Industrie- und Handelskonzern hält, steigt 1920 reicher Geldgeber in das Projekt ein. Die Strecke wird daraufhin binnen Jahresfrist fertiggestellt. Gleichzeitig handelte sich um die erste Autobahn der Welt, die nur für Kraftfahrzeuge freigegeben wurde. Die Fahrbahn erhielt zudem eine der ersten Asphalt-Decken. Zu Rennzeiten wurde die Strecke für den normalen Verkehr gesperrt. Der Kurs war insgesamt 19,6 Kilometer lang und hatte am Ende zwei Kehren. Die im Norden bei der heutigen Messe, verfügte über ein Torhaus, Tribünen und eine Steilkurve von 244 Meter Durchmesser. Im Süden auf dem Gelände der heutigen Raststätte Grunewald, wurde dagegen eine enge Kehre errichtet. Dazwischen lagen die beiden neun Kilometer langen Geraden von acht Meter Breite.

Glanzvolle Namen der deutschen Renngeschichte sind mit der Avus für immer verbunden. Darunter Rennfahrer wie Adolf Rosenberger (Mercedes), Rudolf Caracciola (Mercedes) und Bernd Rosemeyer (Auto Union – Audi). In ihren Grand-Prix-Rennwagen, genannt Silberpfeile, fuhren diese Rennlegenden über 400 km/h.

Die Avus wird feierlich eröffnet

Avus Rennen und Siegesfeier
Avus Rennen und Siegesfeier

Das erste Rennwochenende auf der “Avus” wurde zum regelrechten Zuschauermagnet. Die pulsierende deutsche Autoindustrie warf am 24. und 25. September 1921 ihre besten Automodelle ins Rennen. Fritz von Opel schaffte mit 128,84 km/h die schnellste Rundenzeit. Doch die folgende Inflation macht den Rennveranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Die Eintrittspreise waren mit 10 Mark für das Befahren mit dem eigenen Auto einfach zu hoch und es gab nur wenige Rennen. Und so kam es erst fünf Jahre später wieder zu einen Spitzenevent auf der Avus. Rudolf Caracciola auf Mercedes gewann am 11. Juli den 1. Großen Preis von Deutschland bei Regen mit einer Spitzenrundenzeit von 154,8 km/h. Als Teamkollege Adolf Rosenberger in ein Zeitnehmerhäuschen fuhr, starben drei Menschen.

   

Auto-Union Rennwagen von 1934 und 1936 aus dem Horch Museum in Zwickau:

Opel testet sein Raketenauto

Audi Jahressieger 1936
Audi Jahressieger 1936

Wieder fällt die Rennstrecke in einen kurzen Winterschlaf. Der Grund diesmal: Die Wirtschaftskrise, Mängel auf der Strecke und die Konkurrenz vom Nürburgring. Auf der Avus testete man nun stattdessen neue Techniken zum Straßenbau. Dennoch finden ab und an Motorradrennen statt. Zudem testete Opel mit dem RAK 2 sein neuestes Raketenauto und fuhr sage und schreibe 238 km/h. Ab dem Jahr 1931 begannen dann schließlich die ruhmreichsten Rennjahre auf der Avus. In der Folge kamen über 300.000 Zuschauer zu den wiederkehrenden Autorennen.

Die ruhmreichsten Jahre der Avus beginnen

Unter dem NS-Regime wird der deutsche Rennsport und seine Fahrer-Helden mystifiziert und die Automobilbranche besonders gefördert. Glorreiche Namen wie die von Rennsport-Legenden von Manfred von Brauchitsch (Mercedes), Rudolf Caracciola (Mercedes), Adolf Rosenberger (Mercedes), Bernd Rosemeyer (Auto Union), Hans Struck (Auto Union) und Hermann Lang (Mercedes) in ihren Silberpfeilen werden für immer mit dieser Ära verbunden bleiben.

Bernd Rosemeyer Protoyp Museum Hamburg

Von Rudolf Caracciola und Bernd Rosemeyer

Das Avus Torhaus
Das Avus Torhaus

Im Jahr 1937 wurde die Avus modifiziert und schneller gemacht. Die Nordkurve baute man gar zu einer 43,6 Grad steilen Kurve aus, um die Rundengeschwindigkeit der Rennautos zu erhöhen. Zudem konnte so der Radius der Kurve verringert werden. Markant ist der bis heute erhaltene Zielrichterturm an der Nordkurve der Rennstrecke nahe der Messe Berlin. Dieser wurde von Walther Bettenstaedt als “Mercedes-Haus” entworfen. Heute befindet sich hier das Motel Avus. Am Ausgang der Nordkurve liegt die ebenfalls erhaltene Zuschauertribüne, die gerade von einem Investor erneuert wird. Nach dem Umbau der Strecke stellte Auto Union gleich einen neuen Rundenrekord von damals unglaublichen 276,40 km/h auf.

Mercedes-Benz Rennwagen von 1937 bis 1939 im Mercedes Benz Museum in Stuttgart

Der Avus Umbau vor dem Ende

Nachdem die Avus im Jahr 1938 an den Berliner Autobahnring angeschlossen wurde, musste die bisherige Südkurve weichen. Man begann jedoch gleich darauf mit der Planung für den Bau einer

Fahrerbrille Protoyp Museum Hamburg
Fahrerbrille Protoyp Museum Hamburg

neuen Südkurve nahe der Havelchaussee. Eine Steilkurve soll entstehen, nach dem Vorbild der Nordsteilkurve von 1937. Doch lediglich der Erdwall konnte mit 300.000 Kubikmeter Erde errichtet werden bevor die Arbeiter für andere Tätigkeiten abgezogen wurden. Diese Überreste kann man heute noch Wald an der Havelchaussee sehen. Am Ende des 2. Weltkriegs wurde die Strecke Zeuge der letzten Kämpfe in auswegloser Lage gegen die Rote Armee. Dann hat der Wahnsinn endlich ein Ende.

Der Verkehr und die Lage wird der Avus zum Verhängnis

Die US-Armee nutzte die Hänge der Südkurve in der Folge als Schuss-Übungsstand. Dann wurden die Schäden durch Panzerketten an der Avus-Strecke beseitigt. Das abgebrannte Torhaus ließ man abtragen und die beschädigten Tribünen reparieren. Bereits 1951 strömten bereits wieder über 350.000 Schaulustige zum ersten Rennen nach dem Krieg zur Avus. In den Sechziger Jahren war die Avus dann der direkte Weg der eingeschlossenen West-Berliner nach Westdeutschland Richtung Helmstedt. Der Verkehr nahm daraufhin stark zu. Bis 1971 folgte der Rückbau der legendären Steilkurve im Norden und das Anschluss der Avus an die Autobahn 100. Die Länge der Rennstrecke reduzierte man mehrmals bis auf nur noch 2,64 Kilometer im Jahr 1992. Am 2. und 3. Mai 1998 fand das letzte Rennen nach 77 Jahren statt. Die regelmäßigen Sperrungen der Autobahn für den Rennbetrieb führten zu Verkehrsproblemen und das Sicherheitskonzept der Rennstrecke war teilweise mangelhaft. Der Denkmalschutz sicherte mit der Nord-Tribüne und dem Zielrichterturm die letzten Überbleibsel, dann war für immer Schluss.

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Chris

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