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Neue Synagoge Theodor Fontane schwärmte vom Besuch dieses Gebäudes

Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin ist eine der bedeutendsten Synagogen in Deutschland.

Neue Synagoge - Haupteingang Oranienburger Strasse
Neue Synagoge – Haupteingang Oranienburger Strasse

Neubau der Hauptsynagoge

Eine jüdische Gemeinde bestand in Berlin schon seit dem Mittelalter. Im 19. Jahrhundert wuchs die Gemeinde jedoch auf über 25.000 Mitglieder an so, dass man sich für den Neubau einer Hauptsynagoge entschied. Das alte Gotteshaus in der Heidereutergasse, Nahe des Hackeschen Marktes, bot nicht mehr ausreichend Platz. Die Neue Synagoge entstand in der Spandauer Vorstadt, dem traditionelle Wohngebiet der jüdischen Bevölkerung. 1866 wurde der Neubau feierlich eröffnet. Unter den Gästen befand sich auch der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck.

Der Berliner Architekt Knoblauch

Mit dem Neubau wurde der Berliner Architekt Knoblauch beauftragt, nachdem die eingegangenen Pläne bei der Ausschreibung nicht den gewünschten Anklang fanden. Carl Heinrich Eduard Knoblauch wurde 1801 in Berlin geboren und war Mitbegründer des Architektenvereins zu Berlin von 1824. Er studierte an der renommierten Berliner Bauakademie und legte 1828 seine Baumeisterprüfung erfolgreich ab. Zusammen mit seinem Freund, dem preußischen Baumeister Friedrich August Stüler, reiste er zu Studienzwecken durch Europa. Die Eröffnung der Hauptsynagoge erlebte Knoblauch jedoch nicht. Er verstarb nach Krankheit 1865 in Berlin. Die Bauleitung übernahm August Stüler.

Die Architektur der Neuen Synagoge Berlin

Die Neue Synagoge ist nicht einem einzelnen Baustil zuzuordnen. Es finden sich orientalische Formen und Elemente die an die spanische Alhambra im maurischen Stil erinnern. Der Haupteingang mit drei Arkaden-Bögen, befindet sich an der Oranienburger Straße. Darüber steht der hebräische Satz in goldenen Buchstaben: „Pitchu schearim wejawo goi zadik schomer emunim“ (Tuet auf die Pforten, dass einziehe ein gerechtes Volk, das bewahret die Treue). Er wird seitlich von zwei kleineren Türmen mit Kuppeln flankiert. Dazwischen liegt, etwas versetzt die zwölfeckige Hauptkuppel, die von einem goldenen Netz umspannt wird. Unter der Kuppel befindet sich direkt die Vorhalle. Die goldene Kuppel geht auf den Berliner Architekten Johann Wilhelm Schwedler (1823-1894) zurück.

Hauptkuppel von Johann Wilhelm Schwedler

Aus leichten Profilen entwarf er ein Tragwerk, welches später Modell für viele weitere Kuppelbauten stand. Dabei handelt es sich um gitterartig angeordnete Eisenrippen die per Nieten zusammengehalten wurden. Über dem Gitter wurden eine Holzschale sowie eine Zinkblech Verkleidung gefügt. Die Haupthalle befand sich erst 40 Meter hinter dem Haupteingang. Knoblauch hatte diesen Raum als dreischiffige Basilika mit einer an drei Seiten umlaufenden Empore (höhere Sitzreihe) geplant. Die Innenräume waren prächtig gestaltet, teils mit Säulen versehen und durchflutet vom farbigen Licht der Fenster. Die Einrichtung entsprach dem Stand der Technik und verfügte schon über ein geschlossenes Strom- und Heizungssystem. Selbst der Schriftsteller Theodor Fontane schwärmte später von seinem Besuch des Gebäudes.

November Pogrome

Während der November Pogrome 1938 wurde von Mitgliedern der Nationalsozialistischen SA, Feuer in der Neuen Synagoge gelegt. Dem mutigen Eingreifen des Polizisten Wilhelm Krützfeld war es zu verdanken, dass der Brand von der Berliner Feuerwehr gelöscht werden konnte. Er trat den Brandstiftern entgegen und verwies auch auf den Denkmalschutz des Gebäudes. 1943 wurde das Gotteshaus Opfer britischer Luftangriffe.

Nach dem Krieg diente die Bauruine tragischer weise sogar als Lieferant für Baumaterial. 1958 wurde der hintere Baukörper mit der großen Gebetshalle vollständig abgetragen. Als fadenscheinige Begründung nannte man die drohende Einsturzgefahr und einen nicht möglichen Wiederaufbau.    

Das neue Centrum Judaicum

Kurz vor der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung fand 1988 der symbolische Wiederaufbau der Neuen Synagoge statt. Hierzu wurde extra die Stiftung “Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum” gegründet. 1990 konnte Richtfest gefeiert werden. Seit 1991 leuchtet der goldene Davidstern (Magen David) wieder auf der Kuppel dieses schönen Gebäudes und bereichert seit dem das Stadtbild Berlins. Vier Jahre später wurde der Eingangsbereich der Synagoge mit einer kleinen Ausstellung wieder Besuchern zugänglich gemacht. Die Neue Synagoge und das Centrum Judaicum, mit wechselnden Ausstellungen, können heute wieder besucht werden.

Weiterführende Informationen zum 1.700 jährigen jüdisch-deutschen Zusammenleben in der sehenswerten Dauerausstellung des Jüdischen Museum in Berlin.  

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Chris

Chris ist Hobbyfotograf aus dem schönen Hamburg mit einem Faible für architektonische Tag- und Nachtaufnahmen, Geschichte und Berlin.

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